Die Geschichte der Kletterpflanzen
Vermutlich ist die Geschichte der Kletterpflanzen als Kulturpflanzen genauso alt wie der Anbeginn der ersten Gärten selbst.
Wann genau der Mensch begann, Pflanzen zu kultivieren ist nicht hundertprozentig nachvollziehbar.
Das deutsche Wort "Garten" ist auf das Wort gerd, gard zurückzuführen, das vom gotischen Wort garde „Gehege“ hergeleitet wurde und ursprünglich „das (mit Gerten) umzäunte Gelände“ bezeichnete. Die erste Form des Gartens war ein umfriedetes Land zum Zweck des Anbaus von Pflanzen. Das Einzäunen diente zum Schutz der Pflanzen vor Tieren und klimatischen Einflüssen wie Sturm.
Diese Zäune wurden gebaut aus geschnittenen Ruten von Weiden oder Haselnuss, da deren Zweige sehr biegsam sind und gut verflochten werden konnten.
Wie schon an anderer Stelle beschrieben ist eines der wesentlichsten Merkmale von Kletterpflanzen, dass sie keinen eigenen tragenden Stamm bilden, um dem Licht entgegen zu wachsen, sondern dass sie die energiesparende Möglichkeit des Kletterns sich zu nutze machen. Da viele der Kletterpflanzen ursprünglich am und im Wald beheimatet sind, ist dies eine äußerst einfache und effiziente Variante. Schließlich lassen sich Bäume wunderbar als Rankgerüst verwenden.
Es wäre also nicht weiter verwunderlich, wenn die ein oder andere Kletterpflanze sich zufällig an einem solchen Weidenzaun niedergelassen und diesen als Kletterhilfe verwendet hätte. Möglicherweise sind auf diese Art und Weise die ersten Kletterpflanzen in den Garten gelangt.
Faktisch gibt es tatsächlich sehr frühe, beweisende Hinweise auf Kletterpflanzen in Gärten.
Man hat Abbildungen gefunden aus vorgeschichtlicher Zeit in Ägypten beispielsweise in den Felsengräbern Beni Hassan.
Auch Samenfunde in den Pyramide bestätigen das Vorhandenseins verschiedenster Pflanzen in alter Zeit.
Das Vorkommen von Wein als Kulturpflanze kann ab 2950 v. Chr. in Abydos belegt werden. Wein wurde später durch die Römer bis nördlich der Alpen in unsere Breiten gebracht. An Hand von diesen Abbildungen kann man ebenfalls belegen, dass man Pflanzen auch schon an Kletterhilfen entlang zog. Gerade vom Wein gibt es Zeichnungen, die die Ernte darstellen. Interessanterweise wurde der Wein dort laubenartig angebaut, um vermutlich das Ernten zu erleichtern. Dabei dürften die Pflücker herausgefunden haben, dass es sich sehr viel angenehmer unter den Pflanzen arbeiten ließ im Schatten geschützt vor Sonne und Regen, so dass man das Einsetzen der Kletterpflanzen als Baumaterial entdeckte.
Tatsächlich gibt es rund um den Globus Beispiele für Lauben wie sie scheinbar schon immer gebaut wurden:
- Im antiken Ägypten 2950 v. Chr. als dort Weinstöcke an im Boden verankerten Pfählen und darüber gelegten Stöcken gezogen wurden, so dass ein Lauben gang entstand unter dem man auch gut verweilen konnte.
- Auch Darstellungen aus Babylonien und anderen Teilen des Nahen Ostens zeigen Darstellungen von Wein- und anderen Lauben.
- Im hellenistischen Griechenland gab es ebenfalls mit Efeu- und Weinlauben überspannte Wege. Von dort kamen die Lauben vermutlich auch nach Mitteleuropa, denn die Römer übernahmen viele der griechischen Vorstellungen: Wandmalereien aus Pompeji und Herculaneum zeigen berankte Lauben und Lattenspaliere. Auch im öffentlichen Raum wurde es immer populärer, Wege mit Lauben und Pergolen zu überbauen, an denen dann Kletterrosen und Wein gezogen wurde, um vor allem Schutz vor der Sonne zu bieten.
Während des Mittelalters gab es zunehmend Kletterpflanzen an Fasseden von Gebäuden. Zunächst natürlich der Wein, den man tatsächlich bis hoch an die Ostsee an Gebäuden fand.
Auf vielen Darstellungen aus der Zeit finden sich dann zunehmend Lauben bewachsen mit Geißblatt und Rosen. Diese standen zum ersten Mal auch in Gärten normaler Bürgersleute und nicht nur in Burg- und Schlossanlagen.
Die geräumigen Laubengänge rahmten und gliederten Gärten vor allem in der Renaissance. Kreuzungs- und Endpunkte von Wegen wurden hier häufig durch auffällige und reich verzierte Pavillions betont. Man legte ganze Irrgärten mit Hilfe von Spalieren und Kletterpflanzen an. Das gesellschaftliche Leben wurde viel in den Garten verlegt. Man wandelte im Schatten und führte wissenschaftliche und philosphische Dispute.
Auch in der Barockzeit war eine solche Nutzung der Gärten vor allem bei den Adligen weiterhin hoch im Kurs, doch verschwand die Kletterpflanze kurzfristig aus den Gärten und wurde durch geschnittene Hecken ersetzt bis zu Beginn des 18.Jahrhunderts auch die Heckengebäude ersetzt wurden durch sogenannte Treillagen. Darunter versteht man kunstvoll gestaltete Leichtbauten aus Lattenwerk, die meistens garnicht mehr bepflanzt wurden. Alleinig das Spiel mit Licht und Schatten prägte diese Räume mit einem ganz neuen Raumgefühl.
Paralell fanden immer mehr Pflanzen aus "der neuen Welt" ihren Weg nach Europa während des 17. und 18. Jahrhunderts.
Wilder Wein (Parthenocissus in Arten und Sorten) und die Trompetenblume (Campsis in Arten und Sorten) kamen aus Nordamerika, die Glockenrebe (Cobaea scandens) aus Mexiko, später folgten dann Blauregen (Wisteria in Arten und Sorten) und Knöterich (Fallopia aubertii) und viele weitere wunderschöne Arten aus Fernost. Inspiriert von dieser Fülle an neuen Pflanzen wurden die Gärtner gleichzeitig sehr fleißig mit der Züchtung neuer Sorten, so dass um 1900 schon fast das komplette Sortiment der heutigen Kletterpflanzen bestand.
So wundert es dann auch niemanden, dass die Kletterpflanzen in Folge sich wieder größter Beliebtheit erfreuten und zwar in allen Bereichen:

